Lektion 10Lektion 11Lektion 12Lektion 13Lektion 14Lektion 15Lektion 16Lektion 17Lektion 18Lektion 19
Läufer gegen Springer II

Im vorigen Artikel haben wir gesehen, wie der Springer den Läufer in geschlossenen Stellungen dominieren kann. In offenen Stellungen hingegen (Stellungen bei denen keine oder wenige Bauern in Zentrum sind) setzt der Läufer sich oft gegen den Springer durch.

Beachten Sie: zentrale Bauern, insbesondere eigene, behindern die Beweglichkeit und die Wirkung der Läufer. Also, wenn Sie Läufer gegen Springer besitzen, streben Sie nach einer offenen Stellung!

Der Läufer kann viel besser als der Springer mit gegnerischen Freibauern umgehen. Deshalb ist er auch besser bei asymmetrischen Bauernformationen mit gleicher Bauerzahl, z.B. bei zwei gegen drei Bauern am Damenflügel und drei gegen zwei am Königsflügel, je größer die Asymmetrie, desto überlegener ist der Läufer dem Springer.

Im Endspiel wächst die Rolle des König: er wird viel aktiver und aggressiver, wenn seine Feinde, Dame und Türme vom Brett verschwunden sind. Er läuft dann gern ins Zentrum und sucht schwache Felder oder Bauern im gegnerischen Lager, die er gerne angreift. Dabei hilft sehr oft der Läufer, der gemeinsam mit dem König die beiden gegnerischen Partner (König und Springer) sehr oft in Zugzwang bringt.

Tschechover VS Lasker
Fischer VS Taimanov
Golombek VS Keres
Benko VS Parma

Der Turm gegen zwei Leichtiguren (Läufer und Springer) im Endspiel

Als Anfänger lernt jeder Schachspieler, dass der Turm fünf, Springer und Läufer jeweils drei Bauern wert sind. Also sind Turm und Bauer ungefähr gleich viel wert, wie zwei Leichtfiguren. Am häufigsten kämpfen aber Läufer und Springer gegen den Turm. Im Endspiel ist der Turm meist besser als das Leichtfigurenduo. Der Turm braucht offene Linien und freien Raum, um seine Stärke zu beweisen. Im Endspiel strebt er danach, seine Schlagkraft unter Beweis zu stellen und macht Jagd auf schwache gegnerische Bauern; aufgrund seiner Mobilität arbeitet er fast immer gut mit König und Freibauern zusammen.

Die Leichtfiguren spielen dann gut gegen den Turm, wenn sie gut miteinander koordinieren oder im Zentrum Stützpunkte besitzen bzw. bei Vorhandensein starker Freibauern. Die Leichtfiguren haben immer Freude, wenn sie in Gesellschaft eines eigenen Turms sind – dann haben sie keine Angst vor zwei gegnerischen Türmen, weil der eigene Turm zusätzlich die notwendige lineare Wirkung (die den Leichtfiguren natürlich nicht eigen ist) ausübt. Deshalb sollte die Seite mit Leichtfiguren besser nicht ohne genügenden Profit die Türme tauschen.

Natürlich muß jede Stellung konkret behandelt werden aber ich hoffe, dass die oben gegebenen Tipps Ihnen helfen werden, den praktischen Teil besser zu verstehen.

Huebner VS Karpov
Novikov VS Kaidanov
Kochiev VS Ivanov
Litinskaya VS Shafranska

Der Turm gegen zwei Leichtiguren (Läufer und Springer) im Mittelspiel

Sind im Mittelspiel zwei Leichtfiguren (Läufer und Springer) oder Turm und Bauer besser?
Generell lässt sich diese Frage nicht so einfach beantworten, aber die Praxis zeigt,
dass in den meisten Fällen das leichte Duo besser ist als der Turm.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Der wichtigste Faktor überhaupt ist die Königssicherheit. Die Leichtfiguren mit Unterstützung der Dame können beim Angriff viel leichter als der Turm eingesetzt werden. Sie können sogar gut gedeckte Könige angreifen, was meist an der guten Zusammenarbeit von Dame und Springer liegt.

Um seine Stärke zeigen zu können, braucht der Turm viel freien Raum, aber davon bekommt er im Mittelspiel meistens nicht genug.

Von Belang ist außerdem die Qualität der Leichtfiguren, z.B. ob sie Stützpunkte im Zentrum haben. In solchen Fällen sind sie oft besser als der Turm.

Der Turm ist besser, wenn die Leichtfiguren schlecht koordiniert sind und der gegnerische König nicht sicher steht und geschwächt ist. Turm und Dame können dann oft einen Mattangriff organisieren.

Und nun zum praktischen Teil…

Cabablanca VS Aljechin
Dementiev VS Antoshin
Tal VS Johannessen
Spielmann VS Hoenlinger

Der König in der Mitte

Was ist der wichtigste Faktor im Schach? Natürlich der König. Das weiß jeder.
Aber oft wird das während der Partie vergessen oder die Gefahr für den König wird unterschätzt.
Wir haben uns in den vorherigen Lektionen ausschließlich mit statischen Faktoren beschäftigt. Ist der Königsfaktor eher ein dynamischer (kurzfristiger) oder statischer (langfristiger) Faktor? Was glauben Sie?
Alles, was mit Figuren zu tun hat ist in den meisten Fällen dynamisch.
Der König ist eine Figur.
Also dynamisch?
Nein.
Also statisch?
Jein.
Auf Grund seiner Wichtigkeit ist er eher ein Superfaktor. Er ist wichtiger als jeder Materialvorsprung. Was nutzt mir z.B. eine Dame mehr wenn ich mattgesetzt werde? Also ist die Königsstellung ein dominierende Faktor, der vor allem anderem Vorrang hat. Bei jeder Stellungsbeurteilung muß man als erstes die Sicherheit des eigenen und feindlichen Königs richtig einschätzen.
Insbesondere im Mittelspiel ist der König keine bewegliche Figur. Also werde ich den Königsfaktor eher dynamisch behandeln als langfristig. Der König kann nicht schnell weg laufen. Die wichtigste Regel, die wir in der Anfangsmobilisierung unser Figuren kennen, ist den König sicher zu verstecken – mit anderen Worten: so schnell wie möglich die Rochade ausführen.
Die Rochade hat noch einen weiteren positiven Aspekt: der Turm, der mit dem König rochiert hat, kommt viel schneller in Spiel.
Ich möchte jetzt Beispiele präsentieren, in denen ein König Schwierigkeiten mit der Rochade hat und die resultierenden unangenehmen Folgen erleiden muß.

Geller VS Filipowicz
Pomar VS Smyslov
Alechin VS Euwe
Tal VS Bilek
Kholmov VS Keres

Der Gegenwert für die Dame

Die Dame ist die stärkste Schachfigur. Aber was für einen Wert hat sie genau?
Man muss vergleichen, wenn man besser verstehen will. Was ist besser? Dame oder 2 Türme? Dame oder drei Leichtfiguren?
Mathematisch betrachtet, hat die Dame einen Wert von 9 Bauern. Der Turm ist 5 Bauern wert. Also sollten die 2 Türme stärker als die Dame, die drei Figuren genauso stark wie die Dame sein. Aber das ist pure Theorie. Wie ist es in der Praxis? Was für relevante Faktoren beeinflussen die Stellungsbeurteilung?

Natürlich ist die erste und wichtigste Aufgabe der Seite, welche gegen die Dame spielt, die eigenen Figuren zu koordinieren. Das heißt, sie sollen von einander gedeckt werden oder schnell gedeckt werden können, damit sie gemeinsam die Schwächen des Gegners angreifen oder wichtige Punkte, Linien oder Diagonalen kontrollieren können. Wenn ein solches Zusammenspiel klappt, dann wird die Dame oft schlecht aussehen.
Daraus folgt die wichtigste Aufgabe der Dame: sie muss versuchen, das Zusammenspiel der gegnerischen Figuren zu zerstören.

Eine sehr große Rolle für die Einschätzung solcher Stellungen spielen auch folgende Faktoren:

  1. Königssicherheit
  2. Vorhandensein von Bauernschwächen und schwachen Punkten
  3. Eventuelle Möglichkeit, Spiel gegen die Schwäche zu organisieren

Im Spiel der Dame gegen drei Leichtfiguren ist wichtig zu wissen:

  1. Läuferpaar und Springer kämpfen gegen Dame besser als zwei Springer und ein Läufer
  2. Die leichten Figuren sind auf Stützpunkte angewiesen und dort besonderes aktiv
  3. Im Kampf gegen die Dame ist es immer gut, mehrere Figuren auf dem Brett zu haben, insbesondere einen Turm, der die Wirkung der Leichtfiguren ergänzt
Michaltschischin VS Kasparov
Portisch VS Fischer
Botwinnik VS Smyslov
Maximenko VS Velimirovic

Entwicklungsvorsprung

Bis jetzt haben wir im wesentlichen über statische Faktoren gesprochen. In jeder Stellung taucht allerdings von neuem die Frage auf, was wichtiger ist: ein statischer oder ein dynamischer Vorteil?
Die nächste Frage, die sich uns jetzt stellt, ist: in welcher Beziehung stehen eigentlich statische und dynamische Faktoren? Dynamische Faktoren haben im Gegensatz zu statischen eine kürzere »Lebensdauer«. Deshalb muss man oft schnell handeln, um einen dynamischen Vorteil nicht zu verspielen.
Zu einer der häufigsten Formen des dynamischen Vorteils zählt der Zeitvorsprung, der besonders in offenen Stellungen eine sehr große Rolle spielt. Diejenigen, die diesen Zeitvorsprung haben, besitzen die Initiative und wenn dieser Vorteil in eine statische Form transformiert werden darf, so kann man schon von bedeutendem Vorteil sprechen.
Meist wird ein Eröffnungsvorsprung in Königsangriff (Das Spiel gegen den König genießt höchste Priorität) oder in Materialgewinn transformiert — oder in eine Art statischen Vorteil. In geschlossenen Stellungen (die Stellungen mit geschlossenem Zentrum) ist ein Rückstand in der Entwicklung etwas weniger gefährlich als in offenen Stellungen. Deshalb muss man als Besitzer des Entwicklungsvorsprung in geschlossenen Stellungen versuchen, die Stellung zu öffnen. Hierbei darf vor materiellen Opfern nicht zurückgeschreckt werden. Das gegnerische Zentrum muss entweder mit Bauernhebeln angegriffen oder sogar mit Figurenopfern aufgerissen werden.

Stripunski VS Srokowski
Browne VS Quinteros
Neschmetdinow VS Kamischow
Kuchewski VS Marzinjak
Waganian VS Kuprejchik

Bewußter Verstoß gegen allgemeine Eröffnungsprinzipien

Im vorigen Artikel haben wir davon gesprochen, wie wichtig einerseits Entwicklungs-vorsprung ist und wie gefährlich es andererseits werden kann, wertvolle Zeit bei der Entwicklung der Figuren zu verlieren. Seit Tarraschs Zeiten wurde die Regel formuliert, mit der wir unsere ersten Schritte im Schach beginnen: „Ziehe in der Eröffnung nicht zwei Mal hintereinander mit der gleichen Figur“.
Das gilt für die meisten Situationen. Aber es gibt genug Ausnahmen von dieser Regel und manchmal muß man sogar diese Regel verletzen um in Vorteil zu kommen. Wie erkenne ich diese Situation? Was sind die wichtigsten Merkmale?
Es lassen sich fünf Merkmale formulieren:

1) wenn der Gegner selbst fahrlässig diese Regel verletzt, denn dann wird der eigene Zeitverlust nicht so spürbar.
2) wenn die Stellung geschlossenen Charakter annimmt und unserem König keine schnelle Gefahr droht.
3) die Belohnung, die uns dafür winkt, z.B. Materialgewinn, feste Kontrolle über wichtige Punkte, Desorganisation feindlicher Kräfte.
4) meist ist es der Anziehende, der die Gelegenheit erhält, da er natürlicherweise schon über ein Mehrtempo verfügt.
5) bei schnellem Damentausch in der Eröffnung, was die Gefahr für den eigenen König senkt.

Jetzt gehen wir zum praktischen Teil über:

Aljechin VS Rubinstein
Aljechin VS Rabinowitsch
Srokowski VS Wagener
Rodriguez Vargas VS Hort

Flügelbauernoffensive

Der Flügelangriff mit Bauern ist eine sehr starke Waffe im Spiel gegen den gegnerischen König. Die Idee dieses Angriffes besteht darin, die Verteidigungsfiguren (Die Figuren, die den König beschützen, meistens sind es Springer.) zu vertreiben und dann die Bauernstruktur zu zerstören, um den gegnerischen König zu schwächen und anzugreifen.
Dabei ist es wichtig zu beachten, ob diese Angriffe mit den Schutzbauern des eigenen Königs ausgeführt werden oder mit anderen. Denn sind es die Bauern des eigenen Königs, so wird es oft ein riskantes Unternehmen.
Wichtiger Faktor für den Erfolg solcher Flügelangriffe ist die Sicherheit im Zentrum. Bei geschlossenem Zentrum haben Flügelangriffe gute Aussichten auf Erfolg, aber wenn das Zentrum nicht gesichert ist, sollte das Gegenspiel des Gegners im Gegenschlag im Zentrum bestehen .
Das beste Mittel gegen eine Flügeloffensive ist der Gegenschlag im Zentrum.

Shirov VS Polgar
Tal VS Smyslov
Boleslavsky VS Stoltz
Keres VS Smyslov

Die Stärke des Maroczy-Zentrums

Die Figuren, die im Zentrum postiert sind, haben mehr Raum unter Kontrolle und sind beweglicher, also aktiver. Anderseits sind die zentralisierten Figuren auch anfällig, weshalb es wichtig wird, das die zentralisierten Figuren eine gute Deckung von anderen Figuren erhalten (insbesondere von den Türmen).
Auf die Zentralisationsstrategie hat als erster Großmeister Aaron Nimzowitsch aufmerksam gemacht. „Mit Hilfe der Zentralisation kann man gute Ergebnisse erzielen. Die Beobachtung der zentralen Felder ist eine sehr effektive Strategie, obwohl man oft sehen konnte, wie erfahrene Spieler ohne Zwang die eigenen Kräfte dezentralisieren“. Sehr effektiv hat diese Strategie der ehemalige Weltmeister Michail Botwinnik genutzt. Er wandte oft den sogenannten Maroczy-Zentrumsaufbau (Bauer c4 und e4, oder mit dem Schwarz c5-e5; benannt nach dem ungarischen Großmeister Geza Maroczy) an. Alle folgenden Partien wurden von Botwinnik auf ähnliche Art gewonnen. Zunächst sicherte er sein Bauerzentrum, dann spielte er nach der Figurenmobilisierung Sd5 bzw. Sd4, nach dem Tausch bekam er Druck gegen den rückständigen Bauern e7 (e2) und bewerkstelligte eine zweite Schwäche im gegnerischen Lager. Kombiniertes Spiel gegen zwei Schwächen genügte dann normalerweise für den Erfolg. Die Partien Botwinniks, die lange Zeit her gespielt wurden, gehören zum klassischen Erbe. Sie sollten aber nicht den falschen Eindruck erwecken, daß der Maroczy-Aufbau automatisch zum Gewinn führt. In diesem Abschnitt werden wir erst die Beispiele sehen, die die Vorzüge des Maroczy-Zentrums beleuchten, in der nächsten Trainingseinheit werden wir die Methoden betrachten, sie einen solchen Aufbau verhindern.

Lisitsin VS Botvinnik
Botvinnik VS Knolodkovich
Botvinnik VS Liliental
Kirillov VS Botvinnik

Konterpläne gegen das Maroczy-Zentrum

Im vorigen Artikel haben wir die Stärke des Maroczy-Zentrums kennen gelernt. Wenn die Gegenpartei nichts unternimmt, wird sie langsam überrollt. Was für Möglichkeiten bieten sich an, dies zu verhindern?

Logisch wäre es, das Bauernzentrum anzugreifen, um mehr Raum für Gegenspiel zu bekommen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die sehr abhängig vom konkreten Partieverlauf sind.

Also Angriff des Bauernzentrums mit Hilfe von:

  • Bauernvorstoß. Es gibt drei Möglichkeiten: b7-b5, f7-f5 und noch eine seltenere Option e7-e6 und d7-d5
  • Bildung des Dopellbauern c3-c4 nach dem Abtausch des Läufers g7 für den Springer c3
  • Günstiger Abtausch von Leichtfiguren. Der Idealfall ist ein Springer auf dem Vorpostenfeld c5 gegen den weißfeldrigen Läufer.

Wie es konkret funktioniert, werden wir anhand praktischer Beispiele zeigen.

Geller VS Mikadze
Olafsson VS Simagin
Tukmakov VS Velimirowitsch
Boensch VS Stohl

Kontaktieren Sie mit Uns

 

Verification